Nur in meinem Kopf

5 Woche
Montags wollte ich eigentlich ausschlafen und ich war auch müde. Doch meine Mitbewohnerin ist einfach so laut und rücksichtslos gewesen. Sie lief gefühlte 100 Mal ins Zimmer, riss ihre Schubladen auf, raschelte mit Tüten, Tick Tacks und stampfte mit ihren hohen Keilabsatzschuhen durch die Wohnung. Unsere Türe tut dann ihr übriges, sie quietscht zwar nicht mehr (Haaröle, Mamas Tipp), aber sie geht kaum auf und dadurch muss man sie fast eintreten. Meine Mitbewohnerin vergisst immer etwas und kommt mindestens einmal zurück ins Zimmer gestürmt. Ich versuchte es zu ignorieren und schlief aber leider nicht mehr tief ein. Ich hatte so wirre Träume, dass ich ganz gerädert war, als mein Wecker klingelte. Meine Lehrerin war zurück aus dem Urlaub und wir starteten jetzt bei Unit 2 im Buch. Endlich mal von vorne! Abends habe ich noch Sport gemacht und bin früh ins Bett. Ich war so fertig. Nachdem jetzt seit einer Woche Schweizer in meiner Klasse sind, macht die Schule wieder mehr Spaß. Diese Woche sind nochmal 100 neue Leute angekommen. Ich dachte erst ‚Ok, da wird die Mensa mega voll.‘ Doch am Campus sieht man kaum neue Leute, ich vermute, dass viele in Familien untergebracht sind.
Wie jeden Dienstag bin ich wieder mit der Organisation auf eine Aktion. Dieses Mal ging es zum Torrey Pines Hiking Trail, bei dem man wieder eine super Aussicht über das Meer hat. Der Bus kam relativ spät und wir waren extrem viele Leute. Es stellte sich heraus, dass viele Neue sich nicht in die Liste eingetragen hatten. Nach langen Erklärungen und Diskussionen ging es dann los. Es ist einfach immer wieder schön, einen tollen Blick über das Meer zu haben. Dafür mussten wir ein bisschen die Straße bergauf. Zuletzt sind wir am Strand entlang zurück Richtung Bus gegangen. Die Felsen sind einfach unglaublich, sie haben so viele verschiedene Farben und Einkerbungen vom Meer. Ich konnte mich nicht sattsehen und habe tausende Fotos gemacht. Ich finde, es hat etwas Beruhigendes, wenn man einfach nur am Strand entlang läuft. Ich liebe es, für mich zu laufen und einfach nur die Natur wirken zu lassen. Ich möchte da nicht dauernd Fragen beantworten oder in meinem Kopf Wörter suchen, um das Richtige zu sagen. Ich genieß gerne den Augenblick und nehme ihn bewusst war. Das macht mich manchmal zum Außenseiter, aber ich bin nun mal ein Mensch, der lieber den Moment genießt.


Abends war das erste Mal Tacotuesday angesagt, Anais hatte angeboten zu fahren. Erst waren wir nicht sicher, ob wir gehen können.img_20160401_204230.jpg Ich hatte einen meiner Fructoseanfälle, bei denen ich im unteren Rippenbereich Krämpfe bekomme, die sich wie Herzschmerzen anfühlen. Das hat mir wieder gezeigt, dass ich einfach wieder zu viel Gemüse und Obst gegessen habe. Ich lasse mich immer anstecken von anderen. Ich denk immer, ich muss auch gesünder essen, wenn neben mir alle nur Gemüse und Obst essen. Doch mein Körper hat mir mal wieder die Quittung gegeben. Der Abend wurde aber echt lustig und ich war froh, dass wir gegangen sind. Anias Zimmermitbewohnerin Brenda (Schweizerin von der Französischen Seite) war mit ihren Freundinnen, die unter 21 Jahre sind, zum Essen hin, damit sie auch reinkommen. Dadurch waren sie schon bei der Location, bevor sie zum Club wird und werden nicht mehr kontrolliert. Ich find die Schweiz echt seltsam, mir war gar nicht bewusst, wie viele verschiedene Sprachen sie im Land sprechen und dass sie sich gegenseitig im eigenen Land nicht verstehen. Das ist doch total seltsam. Beim Tacotuesday sind die Getränke vom Preis ähnlich wie in Deutschland. Der Laden ist auch cool aufgemacht, mit Innen- und Außenbereich, bei dem ein Feuerbereich an den Tischen ist. Die Musik war Hip Hop und Anais und ich tanzen die meiste Zeit.
Am Mittwoch war nichts Spannendes, abends konnte ich ewig nicht schlafen, wahrscheinlich weil ich etwas aufgeregt für den nächsten Tag war, da Anais und ich uns fürs Surfen eingeschrieben haben. Leider hat das Wetter wieder seit Mittwoch Abend umgeschlagen und es ist Regen angesagt. Doch ich hab beschlossen meinem Motto (Everythings happens for a reason) zu vertrauen und das beste daraus zu machen. Am nächsten Tag regnetet es auch wirklich und es hatte ca. 20 Grad. Wir fuhren zum Pazifik Beach und quetschten uns in die Anzüge. Die Motivation war nicht so riesig, aber ich freute mich trotzdem. Es war überhaupt nicht so schlimm, wie erwartet. Ich konzentrierte mich ganz auf die Übungen und wie ich aufstehen musste. Der erste Kontakt mit dem Wasser war überhaupt nicht so kalt, wie erwartet. Es war richtig angenehm, trotz des Dauerregens. Der eine Surflehrer war echt attraktiv, ich schätze ihn auf 28 Jahre. Er hatte so heftige mitreisende Augen und die ganze Erscheinung erinnerte mich an Freiheit. Wir paddelten raus und die zwei Surflehrer schickten uns immer wieder auf eine Welle los. Danach hieß es wieder zurück paddeln und aufs Neue los. Ich konnte zwar immer aufstehen, aber dann fiel ich meistens kurz vor Ende. Mein Surflehrer meinte immer, Augen an den Strand. Es war so anstrengend, dass einem sogar richtig warm war. Ich kam überhaupt nicht zum Nachdenken und so war meine Haiangst dann auch nicht da. Doch als ich dann eine Erholungspause machte und den anderen zuschaute, kam sie wieder hoch. Ich musste mich zusammenreißen, nicht an den Strand zu paddeln. Mit einer Welle fiel ich dann vom Brett und merkte, dass unter mir schon Strand war, und meine Angst war verschwunden. So nah kommt kein Hai. Das Surfen war viel zu schnell vorbei. Ganz am Ende stand ich meine vorletzte Welle bis zum Ende und ließ mich ins Wasser fallen bevor der Strand kam. Ich muss das unbedingt mal wieder machen, es ist wirklich ein schönes Gefühl, wenn man steht. Es strengt durch das paddeln auch ziemlich an. Trotz Regen war es wunderschön und ich war glücklich. Ich habe es geschafft, trotz Angst vor Haien (die ich auch in Seen habe), zu surfen. Beflügelt sind Anais und ich zum Fashion Valley (Friars Road, San Diego) gefahren. Wir wollten unbedingt zu Victoria‘s Secret, um uns neue Bikinis zu kaufen. Meiner hat seine Farbe so verloren und ich hab schon in Deutschland gemerkt, dass er sich auflöst. Er wird immer dünner und an manchen Stellen ist er schon fast durch. Mein erstes Mal Victoria‘s Secret, die Verkäuferin war ein echter Schatz. Sie war so bemüht und herzlich, dass man ihr am liebsten was zurückgegeben hätte. Das hab ich noch nirgendwo erlebt, meistens nerven Verkäuferinnen. Wir waren eigentlich fast nur in diesem Shop und gönnten uns dann was zu Essen.


Freitag musste ich unbedingt Schlaf nachholen und eigentlich hätte Poolparty sein sollen. 20160408_114742.jpgLeider war das Wetter nicht besser, sodass eine kleine Party im Studentenlounge war. Es war aber viel zu laut und mitten am Nachmittag. Deshalb kam einfach keine Stimmung auf. In der Nacht auf Samstag wurde ich vom Regen wach, es war einfach so heftig laut. Unter der Mensa stand am Tag schon Wasser. Es macht ein bisschen Angst, in diesen Pappschachteln zu sitzen, wenn die Welt draußen scheinbar untergeht. In Los Angeles hatten wir damals den Fernseher an und da ging es um die Westküste, als ein starker Sturm kam und wie die Menschen sich in ihren Häusern fühlten. Das hatte ich an diesem Abend in meinem Kopf. Es ist echt unheimlich, weil alles so instabil aussieht in den USA, die Garagen fürs Auto sehen halb so groß aus wie das ganze Haus.Da das Wetter am Wochenende so bleiben sollte, entschlossen Anais und ich uns zum Uss Midway Museum zu fahren. Das ist ein riesiges Museumsschiff am Hafen von Downtown San Diego. Die Amerikaner sind so stolz auf ihre Navy und das merkt man auf diesem Schiff. Was ich etwas befremdlich fand, war, dass ein Teil abgesperrt war, an dem einige Reden gehalten wurden. Dort wurde an Gefallene und Verletzte gedacht und Angehörige, Freunde und Navykollegen waren da. Man ist quasi genau daneben gewesen, nur durfte man nicht in den Stuhlbereich. Echt merkwürdig, dass sie das an einem Samstag machen. Unter Deck waren die Duschen, die Wäscherei, Mensa und Schlafkabinen nachgestellt. Auf Deck kann man die Flugzeuge genauer betrachten und einige von innen anschauen. Es gibt am Anfang des Schiffes einen Audioführer, der einem nach Nummern auf der eigenen Sprache die Geschichte des Museumsschiffes und der Besatzung erzählt. Ich liebe das, man ist dem ganzen viel näher und kann sich mitreißen lassen.
Da das Wetter immer noch grau und windig ist, sind wir danach nochmal ins Las Amerika Outlet gefahren. Bis die Läden schlossen, sind wir dort umhergelaufen, wir hatten beim ersten Mal nicht die Zeit alles zu sehen und auch dieses mal schafften wir es nicht ganz. Auf dem Heimweg haben wir bei dem In und Outburger gegessen. Das wird so gehypt und ich verstehe es gar nicht. Ich fand es jetzt nicht so toll und esse lieber bei Mc Donald’s, als dort.


Am Sonntag wurde erst mal ausgeschlafen, dann zum Spätnachmittag zum Lunch gegangen. Ich find es sehr nervig, dass es erst um 11.15-12.15 Uhr Essen gibt und dass es eine Mischung aus Frühstück und Mittagsessen ist. Wir wuschen an dem Tag nur die Wäsche und ich bin am Morgen noch zum See. Die anderen hatten den See entdeckt und ich hatte beschlossen, joggen zu gehen. Am Anfang dachte ich, es ist gar nicht so lange wie die anderen gesagt hatten, aber er hat viele Verzweigungen. Nach fast einer Stunde hatte ich es um den See geschafft. Es ist ein schöner Platz zum joggen. Ich lernte am Sonntag sehr viel für den Test am Montag. Es war einfach ein entspannter Sonntag. Die Woche war ja wieder voll genug. Das Wetter ließ einen auch lieber Zuhause bleiben und sich einmummeln. Obwohl es nicht mehr regnete. Ich genoss das chillen im Bett bei Youtube-Videos und meinem Englischbuch.

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