Deutschlandkind 

Die Frage: Warum will ich in die USA? habe ich mir selbst oft gestellt. Der Hauptgrund war, dass ich etwas erleben wollte, Geschichten erzählen können und meine Träume leben. Ich wollte einfach mal Zeit für mich haben, Dinge tun, die ich tun möchte und nicht fremdbestimmt sein, wie die meiste Zeit im Leben. Ich hatte das Gefühl, dass es an der Zeit war, mich selbst zu finden und warum auch immer, ich hatte das Gefühl, dass ich Antworten in der USA finde, zu Fragen die ich mir sehr lange stelle. 

Ein ganz großer Grund für diese Entscheidung ist meine Arbeit. Ich sehe täglich Menschen, die Probleme haben, höre Geschichten und helfe Menschen. Dabei lernt man schnell, dass das Leben nicht immer fair ist und auch nicht immer lange. Eine meiner Lebensfragen ist, was möchtest du getan haben, bevor du stirbst? Wärst du zufrieden mit deinem Leben, wenn du wüsstest, dass du bald stirbst? Viele Menschen beschäftigen sich nicht mit dem Tod, aber wenn man mit Menschen arbeitet, die bald sterben, denkt man nach. Wie oft habe ich schon gehört: Ich wollte noch da hin, aber dann hatte ich…. Ich möchte meine Träume leben, solange es eben möglich ist, gesundheitlich und finanziell.

Wie kam ich auf die Idee in die USA zu gehen? Ich stieß 2013 auf Luísa (Bloggerin Luísa Líon mit dem Blog StyleRoulette), seitdem folge ich ihr in allen möglichen Kanälen. Sie liebt LA und lebt auch immer wieder dort. Sie reist durch ihren Beruf sehr viel und das hat mich fasziniert. Ich liebe es zu reisen und schöne Orte zu besuchen.  Ich finde das Gefühl am Strand zu liegen, oder der Flair von einer Straßenmeile mit besonderem Essen, Läden und Cafés ist einfach unbeschreiblich. So reifte der Gedanke einfach mal eine Weile Zeit in einem anderen Land zu verbringen. Anfangs dachte ich immer, o nein Madleine, das kannst du nicht. Nach drei Wochen willst du Heim. Dein armes Pferd, niemals lässt du ihn so lange alleine. Doch ich schaute mich um. Meine Freunde und Bekannte machten auch viele Auslandsaufenthalte. Ein Freund arbeite ein halbes Jahr in China, seine Mitbewohnerin reiste drei Monate durch Thailand, Kambodscha und Malaysia. Mein Exfreund machte ein halbes Jahr Work and Travel in Australien. Einer meiner längsten Freundinnen ist mit 16 Jahren für ein Jahr nach Brasilien und ist mittlerweile verheiratet und ausgewandert. Die Liste ist endlos lange. Ich wollte dazu gehören, wollte mitreden. Ich wollte auch neue Orte sehen und so schön verändert Nachhause kommen. 

Klar hatte ich Zweifel, ich bin ein Deutschlandkind. Ich bin ein absoluter Sicherheitsfanatiker und liebe meine Komfortzone. Ich liebe die Ordnung in meinem Leben und das Vertraute. Jede Woche ist in etwa gleich. Ich fühle mich zu Hause, wenn ich in den Sattel meines Pferdes steige. Ich hab meine Routine, wie ich mein Pferd fertig mache zum Reiten. Ich kenne meine Stadt, man sieht die gleichen Gesichter beim Feiern. Ich fahre seit vier Jahren zu der selben Arbeit. Ich lebe seit 25 Jahren in der selben Stadt und möchte zumindest zeitweise in anderen Städten wohnen. 

So sehr ich das Vertraute liebe, so sehr hasse ich es. Ich überlegte so oft, ob ich wegziehe, was ich ändere. Doch es ist schön, seine Freunde zu haben, die nach dem Studium zum Teil in der Nähe blieben oder zumindest oft nach Hause kommen.  Also machte ich einen Kompromiss: Ein anderer Kontinent, aber eben nicht für immer. 

Warum die USA und warum eine Sprachschule? 

Weil ich erst Englisch lernen musste. Mein Schulenglisch ist so miserabel und ich wurde immer dafür ausgelacht. Ich traute mich schon nicht mehr zu reden und konnte es auch nicht mehr. Ich traute mich nicht, Work and Travel alleine zu machen. Aupair war mir zu einschränkend und in den meisten Ländern muss man es ein Jahr machen. Dazu kam noch, das immer in der Beschreibung der Internetseite stand, das gute Englischkenntnisse wichtig sind. Also war das dann auch gegessen. In die USA wollte ich, weil es cool ist. Ich finde das Land sehr spannend, habe viele Referate darüber gemacht. Ich liebe Pferde und irgendwie ist USA und Pferde bei mir im Kopf verbunden (Indianer und Cowboys). Die USA stand ganz oben auf meiner Reisewunschliste. In Australien waren mir zu viele Deutsche unterwegs, sodass ich wahrscheinlich kein Englisch geredet hätte (am Campus sind dafür sehr viele Schweizer gewesen, was ich in diesem Moment sehr beruhigend und hilfreich empfand) und Engländer waren mir zu spießig und das Wetter zu schlecht. 

Ich habe mir zwei Jahre Zeit gelassen mit planen. Am Anfang habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich das ganze umsetzen und verwirklichen kann. Danach kam die Feinplanung mit Visum, Flug, Versicherung, Geld leihen…

Ich hatte selten Angst, was mich selbst am meisten überraschte. Der schlimmste Tag war vor meinem Abreisetag in die USA, an diesem Abend wollte ich einfach alles rückgängig machen. Ich wollte nicht ins Ungewisse und kein Abenteuer. Doch am nächsten Morgen war die Angst wieder so schnell verflogen wie sie gekommen war und ich freute mich auf die Zeit meines Lebens. Zeit für mich, Zeit mich zu finden, Zeit Dinge zu tun die mir Spaß machten und die Zeit die Welt zu entdecken. 

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2 Gedanken zu “Deutschlandkind 

  1. Ach, wie gerne würde ich auch einfach mal ein paar Monate ins Ausland, aber dazu bin auch leider ich zu „schüchtern“. Ich fahre jedes Jahr nach Florida oder Kalifornien, da dort Verwandte und Freunde leben, aber der Urlaub alleine reicht mir nicht aus, sogerne würde ich einfach diese Lebenseinstellung der Amerikaner länger genießen, jedoch kann ich mich auf langen Zeitraum nicht von meinen Besten Freunden und engster Familie trennen. Ich habe noch viel Zeit vor mir und bin auch noch ziemlich jung, irgendwann werde ich reif genug sein!
    Liebe grüße,
    Sally-Anne
    http://www.xosallyanne.blogspot.de

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